Die protestantisch-kirchlichen Hilfsvereine der Schweiz wurden alle in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts als Hilfswerke für bedürftige reformierte Kirchen und Kirchgemeinden in der Diaspora gegründet. 1921 wurde in Balsthal als letzter kantonaler Hilfsverein der Protestantisch-kirchliche Hilfsverein Solothurn gegründet, der das gesamte Kantonsgebiet abdeckte. Er war bis in die 50er Jahre aber kein Geberverein wie die anderen Hilfsvereine, sondern in der Hauptsache ein Empfängerverein, der die in anderen Hilfsvereinen gesammelten Gelder für solothurnische Kirchen, Kirchgemeindehäuser und Pfarrstellen verwendete. Sehr viele reformierte Kirchen, Pfarrhäuser und Kirchgemeindehäuser wurden mit der Unterstützung des solothurnischen Hilfsvereins erbaut; auch ganze Pfarrstellen wurden damit finanziert. Mit dem Entstehen des Finanzausgleichs hat der Hilfsverein seine Bedeutung als Vorläufer der Kantonalkirche weitgehend eingebüsst; dafür wurde er selbst mit der wirtschaftlichen Hochkonjunktur im Kanton zu einem Geberverein, der Projekte im Kanton, im Tessin und der deutschsprachigen Evangelischen Kirche in Georgien unterstützt hat sowie Stipendien an solothurnische Theologiestudierende ausrichte.
Alle Hilfsvereine leiden heute darunter, dass die langjährigen Mitglieder und Spender aussterben und die Jungen die Mitgliedschaft nicht weiterführen. So schwindet die finanzielle Basis immer mehr. Die kleinen Hilfsvereine sind davon besonders betroffen, und so haben die von der Waadt, von Glarus, Neuenburg und Freiburg in den letzten fünf Jahren ihre Arbeit eingestellt. So hat auch unser kantonaler Hilfsverein, dessen Präsident ich zwölf Jahre lang war, auf Ende 2014 seine Arbeit eingestellt. Den Delegierten und dem Vorstand ist es sehr wichtig, dass die Arbeit wenigstens sinngemäss von der Evangelisch-Reformierten Kirche Kanton Solothurn weitergetragen wird; die Bezirkssynode im oberen Kantonsteil hat dem zugestimmt. Das verbleibende kleine Restvermögen des Vereins wird künftig als Teil der Synoderechnung geführt, und der Synodalrat wird weiterhin als Mitglied der Protestantischen Solidarität Schweiz PSS bei der Auswahl der Projekte für die gesamtschweizerische Reformationskollekte und der Konfirmandengabe und bei verschiedenen kleineren Projekten, welche der Vorstand der PSS direkt unterstützt, mitwirken. Über die Arbeit der PSS können Sie sich unter www.soliprot.ch informieren.
Die Kirchgemeinden sind gebeten, die bei diesen Kollekten erhobenen Beträge künftig direkt an die PSS zu überweisen, wie die meisten von ihnen es schon in den vergangenen Jahren getan haben. Die Einzahlungsscheine, welche unserem Kirchenboten beigelegt waren, sind immer direkt an die PSS gegangen - daran wird sich also nichts ändern. Die diesjährige Reformationskollekte kommt der kleinen Gemeinde Andeer im Val Schoms in Graubünden zugute, die eine grosse, sehenswerte, aber stark renovierungsbedürftige Kirche besitzt. Die nächste Kollekte wird die Konfirmandengabe im neuen Jahr sein, die traditionell für ein Jugendprojekt in einer osteuropäischen reformierten Kirche bestimmt ist.