181. Synode der reformierten Kirche Kanton Solothurn

Die anstehende eidgenössische Steuervorlage 17 wird auch die reformierte Kirche Kanton Solothurn treffen. Die Synode verabschiedete das Budget 2019, das letzte vor den grossen finanziellen Umstellungen. 

An der Herbstsynode der reformierte Kirche Kanton Solothurn in Dulliken stellte Finanzvorstand Markus Leuenberger den Voranschlag der Synode und des Finanzausgleichs 2019 vor. Das Budget sei ein spezielles. Es sei der letzte Voranschlag nach dem alten Modus, denn das Ende des Finanzausgleichs stehe bevor, erklärte der Synodalrat. Anfang des nächsten Jahres debattiert der Kantonsrat über den Beitrag, den die öffentlich-rechtlich anerkannten Kirchen vom Kanton erhalten. Der Solothurner Regierungsrat hat dafür 10 Millionen Franken vorgesehen.
Das bestätigte Dieter Altenburger, Leiter vom Amt Kirchenwesen beim Kanton. Altenburger betonte in seinem Grusswort des Regierungsrates die guten Beziehungen zwischen Staat und Kirche. Im Frühjahr komme die Finanzvorlage vor den Kantonsrat, 2020 werde sie umgesetzt. Genaueres lasse sich im Moment noch nicht sagen.
Altenburger bedauerte es, dass das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz aus finanziellen Gründen die Rechtsberatungsstelle für sozial Benachteiligte in Aarau schliesst. Dem stimmte Verena Enzler zu. Die Synodalratspräsidentin forderte die Kirchgemeinden auf, ihre HEKS-Spenden direkt an die Regionalstelle Aarau zu überweisen. Darüber hinaus informierte Enzler, dass im Januar das neue Palliative-Care-Konzept vorgestellt werde. Die Betreuung von Schwerstkranken und Sterbenden sei eine der vielen Aufgaben, welche die Kirchen für die Allgemeinheit erbringen. Wenn die Kirchen diese mit all ihren Freiwilligen nicht mehr leisten können, müsste der Kanton einspringen. Wie Studien zeigten, würde dies ein Mehrfaches kosten.

Mission ernst nehmen
In den letzten Jahrzehnten leiden die Kirchen unter dem Mitgliederverlust und dem Rückgang der Finanzen. Uwe Kaiser, Pfarrer in Olten, hat sich in seinem Sabbatical in Ostdeutschland mit diesem Phänomen auseinandergesetzt. In Mecklenburg-Vorpommern bilden die Christen inzwischen eine Minderheit. Nur 8 Prozent gehören der lutherischen Kirche an. «Nationalsozialismus und 50 Jahre DDR führten dazu, dass viele keine Beziehung mehr zur Kirche pflegen und die Kirche am Rande der Gesellschaft steht», erklärte Uwe Kaiser. Dazu leide die Region unter der Landflucht. Nach der Wende, gingen viele Junge und gut Ausgebildete in den Westen. Zurück blieben die ältere Generation und etliche, die sich heute als Verlierer der Wende sehen. «Post und Banken sind weggezogen, Läden wurden geschlossen. Geblieben sind jedoch die mittelalterlichen Kirchen und Kathedralen, die in vielen Dörfern und Städten stehen.» Uwe zog den Vergleich zur Schweiz: Auch hier hätten die Kirchen durch die gesellschaftliche Entwicklung viel an ihrer Bedeutung verloren, sagte Kaiser. In diesem «religionsfeindlichen Klima» entwickelten die Ostdeutschen Kirchen neue Impulse, um die Menschen anzusprechen. Diese Ansätze stellte Uwe Kaiser den Synodalen vor. Seine These: Kirche könne trotz widerlichen Umständen eine Ausstrahlung haben.

Kaiser studierte in den vier Monaten an der Theologischen Fakultät Greifswald und dem Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung. In Greifswald greifen die Theologen den biblischen Begriff der Mission wieder auf. Kaiser räumte ein, dass Mission durch die Kirchengeschichte negativ belastet sei. Heute müsse man Mission anders verstehen. Es gehe nicht darum, anderen einen Glauben aufzuzwingen, sondern darum, mit Menschen zu leben und davon zu zeugen, dass Gott sie ansprechen möchte. Dazu müssten sich die Kirchen diakonisch und sozial betätigen, in der Gesellschaft mit ihrem Glauben präsent sein, sich den Menschen zuwenden und erkennen, wo deren Bedürfnisse liegen. «Aus diesen Erfahrungen sollten die Kirchen dann neue Projekte und Ausdrucksformen entwickeln und alte, verstaubte Zöpfe abschneiden», forderte Uwe Kaiser. «Das Schrumpfen der Kirche macht Konzentration nötig. Nicht mehr alle Kirchengemeinden können alles anbieten. Aber das sei eine grosse Chance zur Erneuerung.» Dass dies funktioniert, konnte Uwe Kaiser an vielen Orten in Greifswald und Umgebung sehen. Selbst in Plattenbauten sind inzwischen Hauskirchen entstanden.
Kaisers Vortrag stiess bei den Synodalen auf gutes Echo. Viele erklärten, dass sie in ihren Gemeinden bereits solche Projekte lanciert haben und diesen Kurs verstärkt fortsetzen möchten. (tz/uk)

Handout - Referat Studienurlaub   Pfr.Uwe Kaiser, Dekan

Die Synode der Evangelisch-Reformierten Kirche Kanton Solothurn sucht infolge Pensionierung der Amtsträgerin per 1.01.2020 eine / einen 

Synodalratspräsidentin / Synodalratspräsident Kantonalkirche SO - 60%  

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Nach 14-jähriger Amtszeit wird die Präsidentin des Synodalrats, Verena Enzler, infolge Erreichen des Pensionsalters, per Ende 2019 von ihrem Amt zurücktreten. Ihre Nachfolge soll bis dahin sichergestellt sein, weshalb es die Unterstützung aller Gremien unserer Kirche braucht.

Aktuell handelt es sich um ein Arbeitspensum von 60 Stellenprozenten.

Welche Anforderungen eine neue Präsidentin oder ein neuer Präsident mitbringen soll, entnehmen Sie dem Anhang. 

Das Aufgabengebiet ist ein sehr vielseitiges, interessantes und abwechslungsreiches. Es ist geprägt von Kontakten mit Vertreterinnen und Vertretern der Landeskirchen, Kirchgemeinden und weiteren Organisationen. Bei vielfältigen Dialogen, Gesprächen und Diskussionen erarbeiten Sie Lösungen und verfolgen gemeinsame Ziele. Das Amt bedingt jedoch auch eine gewisse zeitliche Flexibilität.

Wir bieten Ihnen zeitgemässe Anstellungsbedingungen.

Ihre Bewerbung mit den üblichen Unterlagen senden Sie bitte per Post ab sofort 
an:  Synodepräsidentin Zsuzsa Schneider, Tannweg 599, 4716 Welschenrohr, zu (zsuzsa-schneider@ref-so.ch).

Auskunfterteilen: 
Synodalratspräsidentin Verena Enzler, Telefon 062 298 26 79 oder per Mail: verena-enzler@ref-so.ch




              

Reformierte Kirche Kanton Solothurn spendet 10000 Franken für syrische Flüchtlinge

Die Synode der reformierten Kirche Kanton Solothurn bewilligte einen Beitrag von 10000 Franken für syrische Flüchtlinge. An der Synode äusserte sich Regierungsrat Remo Ankli zu den Vorfällen in den türkischen Heimatkunde-Unterricht. Es gehe nicht an, dass man diese für politische Zwecke missbrauche. 

An der Frühjahrs-Synode in Büren zeigten sich die Synodalen grosszügig. Sie folgten dem Antrag des Oltner Alex Weibel und erhöhten den Beitrag an das Hilfswerk der Evangelischen Kirche der Schweiz auf 10000 Franken. Das Geld kommt den Flüchtlingen in Syrien zu Gute. Hintergrund dieser solidarischen Aktion waren die guten Rechnungen der Synode und des Finanzausgleichs, die Synodalrat Markus Leuenberger präsentierte.

Die Synodenrechnung schliesst mit einem Gewinn von 98758 Franken ab, die des Finanzausgleichs mit einem Überschuss von 99500 Franken. Die Gewinne werden dem Eigenkapital gutgeschrieben.

Trotzdem rüstet sich die Kirche für die Zeiten, in der die Beiträge zurückgehen werden. Die Synodalen bewilligten die neue Ausrichtung der Bausubventionen, die künftig nur noch an die Sanierung von Kirchen, Kirchgemeindehäusern und Pfarrhäusern gezahlt werden. Erwirbt eine Kirchgemeinde Land und Liegenschaften, um Geld anzulegen, werde dies nicht mehr subventioniert, so Markus Leuenberger.

Angenommen wurde auch die Teilrevision des Konkordats zur Aus- und Weiterbildung der Pfarrer und Pfarrerinnen. Das sei notwendig geworden, weil das bisherige Verfahren zu teuer und zu wenig effizient war, sagte Synodalrat Erich Huber. Umstritten waren die Eignungsprüfungen für den Pfarrberuf, welche die Studierenden durchlaufen mussten. «Man hat manchmal die falschen ausgesondert – jene, die sich gut verkaufen konnten waren im Vorteil», bemängelte Huber. 

Charta für die Religionsgemeinschaften

Unter den Gästen weilte Regierungsrat Remo Ankli. Ankli überbrachte der Synode die Grüsse der Solothurner Regierung und dankte der reformierten Kirche für die geleistete Arbeit und ihr Engagement. Thema sei nach wie vor der «Evergreen neue Finanzordnung».

Das Verhältnis zwischen Staat und Kirchen sei gut, erklärte Remo Ankli. Es seien andere Religionen, welche die Politik beschäftigen. Vorab äusserte sich der Regierungsrat zu den Fällen im türkischen Heimatkunde-Unterricht. Primarschüler hatten mit Waffen und in Uniform die Schlacht von Gallipoli nachgespielt. Es gehe nicht an, dass man Kinder für Agitation und politische Zwecke missbrauche. Die Politik müsste da genauer hinschauen und die Signale erkennen.

Ein Antrag verlange nun von der Regierung, eine Charta zu erstellen, in der die Glaubensgemeinschaften erklären müssen, dass sie die demokratischen Werte einhalten.

Remo Ankli findet die Idee gut, fragt sich jedoch, wie weit der Kanton die Umsetzung überprüfen könne, so dass die Charta nicht zum «Papiertiger» werde. «Die Regierung will diese Diskussion führen, gerade vor dem Hintergrund der Migration.» Es gehe um nichts Geringeres als um die Frage und Durchsetzung der eigenen demokratischen Werte.

Tilmann Zuber

Einführungssynode - Megatrends machen den Kirchen zu schaffen

Die Synodalen beschäftigten sich am Einführungstag mit der Zukunft ihrer Kirche. Trotz Mitgliederschwund sieht die nicht schlecht aus, meinte Unternehmensberater Markus Fricker.

Anhänge: 
Dokumentation Einführungssynode 2018 M. Fricker
Protokoll Einführungssynode vom 10.03.2018

Die Statistik spricht gegen die Volkskirchen: Seit Jahren hält der Mitgliederschwund an und die Finanzen ­nehmen ab. Grund genug für die Verantwortlichen, sich mit der Zukunft ihrer Kirche auseinanderzusetzen. In Balsthal tat dies die Synode am Einführungstag der neu gewählten Mitglieder. Nach dem Gottesdienst, in dem die Parlamentarier feierlich in die Pflicht genommen wurden, besuchten sie den eintägigen Workshop, den der Unternehmensberater und Pfarrer Markus Fricker gestaltete. Fricker wollte nichts beschönigen. Die sinkenden Mitgliederzahlen und Finanzen, der gesellschaftliche Wandel, der Traditionsabbruch und der Bedeutungsverlust mache den Volkskirchen zu schaffen.

Megatrends arbeiten gegen die Kirchen
Die Zahlen sind deutlich: 1994 waren noch 79 Prozent der Schweizer Mitglieder einer christlichen Kirche. 2010 noch 66 Prozent. Und für 70 Prozent der 16- bis 24-Jährigen habe die Kirche wenig Bedeutung. Prognosen sagen voraus, dass 2040 nur noch 20 Prozent der Bevölkerung reformiert sei. Markus Fricker ortet die Gründe dieser Entwicklung weniger in der Qualität der kirchlichen Arbeit als in den gesellschaftlichen Megatrends. Die Landeskirchen stünden vor ganz anderen Herausforderungen als vor 50 Jahren, erklärte Markus Fricker. 
Heute bastle sich jeder seine Patchwork-Religion zusammen etwa aus Buddhismus, Christentum und einer Prise Aufklärung. Hinzu käme der Abbruch der Tradition, der sich daran zeige, dass weniger Paare ihre Kinder zur Taufe brächten. «Selbst in der Christnacht bleiben Bankreihen leer und viele verbinden Ostern vor allem mit Eiern und Schoggihasen», sagt Markus Fricker. 

Karl Barth auf dem Cover des «Time Magazins»
Die zunehmende Mobilität und Arbeitsbelastung führten dazu, dass der Bezug zum Wohnort fehle und man sich nur punktuell engagiere. Zudem könne die Kirche mit ihren schlichten Gottesdiensten mit den Grossevents nicht mithalten. 
Eindrücklich demonstrierte Markus Fricker den Bedeutungsverlust der Kirchen mit der Titelseite des «Time Magazins» von 1962, das Karl Barth zeigte. Der Basler Theologe galt damals als wichtigste moralische Instanz in der Welt, auf die man hörte. Heute gebe es da allenfalls noch den Obdachlosenpfarrer Ernst Sieber.

All diese Schwierigkeiten sind für den Unternehmensberater jedoch kein Grund zu resignieren oder die Augen vor den Fakten zu verschliessen. Im Gegenteil, Fricker rief die Synodalen auf, die gesellschaftliche Veränderung als Chance zu sehen, auf die ­eigene Substanz und Botschaft zu vertrauen und Visionen und Ziele zu entwickeln. «Wer den Zielhafen nicht kennt, für den ist kein Wind günstig», zitierte Fricker Marc Twain. Die Synodalen diskutierten engagiert Frickers Thesen.

Und was rät der Unternehmensberater der Kirche? Sich der Entwicklung nicht verschliessen und akzeptieren, dass die Volkskirchen zu «Kirchen bei Gelegenheit» werden, aus deren Angeboten man in bestimmten Lebensphasen oder aufgrund des Interesses etwas Passendes auswählt. «Wichtig ist, dass sich die Kirchge-meinden ein klares Profil geben und es dann verschiedene Stile zulassen - beispielsweise mit traditioneller, sozialer, evangelikaler oder unkonventioneller Ausprägung. Statt nur abzubauen, sollte sich die Kirche überlegen, auf was sie sich beschränken, wo sie investieren und wo sie ihr Profil schärfen will. Hier sieht Markus Fricker drei Bereiche: rituelle Lebensübergänge wie Taufe, Hochzeiten, Beerdigungen die sie freier gestaltet, Gottdienste, an ­denen sich viele aktiv beteiligen und diakonische Projekte, die andere nicht anbieten.

Tilmann Zuber