Kirchentag in Egerkingen - Schlag den Nagel ein!

Ende August hat die reformierte Kirche Kanton Solothurn in Egerkingen ihren Kirchentag gefeiert. Mit dabei waren Gottfried Locher, Präsident des Kirchenbundes, und Landammann Remo Ankli.

Draussen blockierten Autos aus Sicherheitsgründen die Zugangsstrassen zum Festplatz. Drinnen in der Pauluskirche von Egerkingen feierten die Besucher 500 Jahre alten Thesenanschlag und damit den Beginn der Reformation. Zwischen den Polen Fanatismus und dem reformierten Ruf nach Freiheit findet heute Glauben statt.

Synodalratspräsidentin Verena Enzler begrüsste die zahlreichen Ehrengäste, darunter Gottfried Locher, den Präsidenten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes. Enzler blickte zurück in das 16. Jahrhundert, als der neue Glaube den Kanton Solothurn erfasste. Selbstbewusst bestimmten die einzelnen Orte ihre Konfession. Viele wurden reformiert. Doch nach Zwinglis Tod in der Schlacht bei Kappel wurde der Kanton wieder katholisch. Mit dem Bau der Eisenbahn zogen die Reformierten im 19. Jahrhundert nach Olten. Heute habe man mit der katholischen Kirche ein sehr gutes Verhältnis, so Verena Enzler.

Gottfried Locher überbrachte die Grüsse des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK. Der Präsident erinnerte daran, dass die Solothurner zur grossen Gemeinschaft der Reformierten gehören, die in der Schweiz zwei Millionen Mitglieder zählt. Heute spreche man davon, dass sich die Reformierten im 16. Jahrhundert vom alten Glauben lösten und den neuen Glauben annahmen. Das sei ein falsches Bild, meinte Locher. Die Reformatoren suchten nicht die Kirchenspaltung, sondern wollten den alten Glauben wieder zur Geltung bringen. Das gleiche sei heute nötig. Auch heute müsse man sich fragen, was man tun müsse, dass die Leute gerne in die Kirche kommen und sich dort wohl fühlen. Die konfessionellen Grenzen verwischten sich mehr und mehr, stellte Locher fest «Unseren Kindern ist es egal, ob die Kirche reformiert oder katholisch ist, wichtig ist für sie, dass ihnen die Kirche etwas gibt. Wir müssen uns bewegen, und nicht nur die Reformierten», forderte Gottfried Locher die Besucherinnen und Besucher auf. Gottfried Locher schloss nicht aus, dass die Konfessionen einst zusammenfinden.

Am Mittag stiess Landammann Remo Ankli zu den Festgästen. Der Regierungsrat kam direkt von der Tagung der ehemaligen Schweizergardisten aus Solothurn. Er sei heute ökumenisch, zuerst bei den Katholiken, dann bei den Reformierten, witzelte Ankli. Ökumene prägte auch Remo Anklis Leben. Der Katholik lernte während seines Studiums an der Universität Basel die Reformierten kennen, vorab den Theologieprofessor Heinrich Ott. Ott prägte in der Schweiz die Annäherung zwischen den Konfessionen. Beeindruckt zeigte sich Remo Ankli, mit welcher Ernsthaftigkeit man an der Theologischen Fakultät um das biblische Wort rang und welchen Stellenwert die Reformierten dem Gewissen und der Freiheit einräumten.

Heute erlebe man im Namen der Religion Fanatismus und Terroranschläge, erklärte der Regierungsrat. «Es sind aber nicht die Religionen, die töten, sondern Menschen, die unter dem Vorwand der Religion morden.» Umso wichtiger sei der kritische Geist der Reformation.

Das Thema der Reformation bestimmte auch das Veranstaltungsprogramm des Kirchentags: Die Besucher nagelten ihre Thesen an eine Holztüre, auf dem Postenlauf zu Luther wurden Wissen und Kreativität auf die Probe gestellt und eine Gutenbergpresse führte zurück in die Anfänge des Buchdrucks.

Podiumsdiskussion über Ökumene

«Nettigkeiten bringen die Kirchen nicht weiter»

In Dornach diskutierten Vertreter der Landeskirchen und der Politik über die Zukunft der Ökumene. Eingeladen hatte die Reformierte Kirche Kanton Solothurn. Regierungsrat Remo Ankli forderte, sich dem Konflikt der Kirchenspaltung zu stellen, statt Nettigkeiten auszutauschen. weiter

Reformationsjubiläum

Am 31.Oktober 2017 jährt sich zum 500.Mal der Thesenanschlag von Martin Luther an der Schlosskirche im sächsischen Wittenberg. In der neueren Forschung ist zwar umstritten, ob dieser wirklich genau so geschehen ist, wie es die kirchliche Tradition überliefert. Tatsache ist jedoch, dass diese 95 Thesen des Mönches und Theologieprofessors zur Ablassfrage sofort von verschiedenen Druckereien kopiert und in grossen Auflagen vervielfältigt wurden. Einer der Hauptdruckorte war übrigens Basel. In Windeseile wurden die Thesen in ganz Europa diskutiert und lösten damit eine internationale Bewegung aus, die in den folgenden Jahren zur Reformation und zur Abspaltung von der römisch-katholischen Kirche führte. Es ging nicht einmal 50 Jahre, bis sich mehr als die Hälfte der Kirchen in Europa zur Reformation bekannte. Das Jubiläum von 2017 wird international und auf allen Kontinenten begangen. Der Deutsche Evangelische Kirchentag von 2017 in Berlin wird mit einer grossen Schlussfeier im nahen Wittenberg enden.

Eine Gruppe von Pfarrpersonen aus der Schweiz hat in diesem Januar zwei Dutzend wichtige Orte der Reformation in Deutschland besucht und das Gespräch mit verschiedenen Kirchenleitungen und Projektverantwortlichen sowie mit den Vertretern der Evangelischen Kirche Deutschland EKD gesucht. Auch ich habe an dieser Reise teilgenommen, bei der es auch zu Begegnungen mit Täufern und den Nachkommen von Hussiten, Waldensern und Hugenotten. Es hat sich gezeigt, dass die verschiedenen deutschen Landeskirchen und evangelischen Denominationen ganz unterschiedlich mit dem Thema Reformationsjubiläum umgehen. Viele sind nicht ganz glücklich mit der Fokussierung auf Wittenberg und Martin Luther durch die EKD, hatte doch auch in Deutschland die Reformation viele unterschiedliche Gesichter und verlief keineswegs einheitlich - genau wie in der Schweiz. Vermutlich ist es aber publikumswirksamer und mediengerechter, wenn die EKD Luther und Wittenberg in den Mittelpunkt der Feierlichkeiten stellt, auch wenn das die tatsächlichen Ereignisse stark vereinfacht.

Der schweizerische Kirchenbund SEK befasst sich ebenfalls mit dem Thema Reformationsjubiläum und hat den Mitgliedkirchen zwölf Projekte zum Reformationsjubiläum vorgeschlagen. An der Abgeordnetenversammlung im November in Bern wurden diese Projekte beraten und genehmigt. Manche werden gesamtschweizerisch sein, andere bedingen eine interkantonale oder sogar eine internationale Zusammenarbeit. Als Kostenrahmen wurde ein ausserordentlicher Beitrag von 400'000 Franken vorgesehen, davon 100'000 für 2015 und je 150'000 für 2016 und 2017. Auf der Internetseite www.ref-500.ch können diese Projekte eingesehen und diskutiert werden.
* Das gemeinsame Logo für alle Aktivitäten und jede Kommunikation ist der Buchstabe "R" und der Titel "500 Jahre Reformation". Die Kantonalkirchen können das "R" unterschiedlich gestalten, und alle Kirchgemeinden sind gebeten, dieses Logo auf ihren Internetauftritten und Drucksachen zu verwenden.
* Zwei Smartphone-Applikationen sind in Vorbereitung.
* Die Kirchgemeinden sollen (ab sofort) eigene Thesen für eine reformierte Kirche der Zukunft erarbeiten, welche vom SEK gebündelt werden.
* Die schweizerischen kirchlichen Hilfswerke HEKS, Brot für alle, mission 21 und DM-échange et mission werden zwischen 2016 und 2017 zu verschiedenen Projekten aufrufen, welche zu einer Spendensumme von mindestens einer Million Franken führen sollen.
* Basel, Bern, Chur, Genf, Lausanne, Neuenburg und St.Gallen kandidieren bei der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa GEKE um den Titel "Reformationsstadt Europas". Es ist ein "Europäischer Weg der Reformationsstädte" in Planung, in welchem auch die Medien und europäische Tourismusagenturen unter dem Label "Faith travel" eingebunden werden.
* Von Mai bis September 2017 organisieren die EKD und der SEK eine Weltausstellung der Reformation in und um Wittenberg, an welchem unsere schweizerische Kirchen mit Informationsständen präsent sein können.
* 2017 sollen in der Schweiz folgende Anlässe stattfinden: ein nationaler ökumenischer Festanlass, eine nationale Tagung in Bern, ein dreitägiges Evangelisches Jugendfestival oder drei eintägige dezentrale Anlässe, ausserdem ein Treffen der Mitglieder der protestantischen Synoden Europas in Bern.
* Um den Reformationstag 2017 auf den drei Ebenen Schweiz, Kantonalkirche und Kirchgemeinden nationale und lokale Schlussfeiern stattfinden, für welche der Kirchenbund eine einheitliche Liturgie vorlegen wird.
* 2018 wird die Stadt Basel Gastgeberin der Generalversammlung Evangelischer Kirchen in Europa GEKE sein. Die Mitwirkung der Nachbarkirchen ist bei diesem Grossanlass erwünscht.
* Schliesslich ist ein Theaterprojekt zum Thema "500 Jahre Reformation" in Vorbereitung.

Die geplanten Kosten von 400'000 Franken beziehen sich ausschliesslich auf die Projekte des SEK. Die Kosten, welche den Kantonalkirchen für eigene Projekte entstehen, sind darin nicht enthalten, weshalb die letzte Synode eine Rückstellung von 30'000 Franken beschloss. Welche eigenen Projekte in unserer kleinen Kantonalkirche überhaupt möglich sind, darüber hat sich der Synodalrat in einer zweitägigen Retraite erste Gedanken gemacht, welche in der nächsten Zeit vertieft werden sollen. Zu gegebener Zeit wird der Synodalrat darüber informieren. Schon jetzt können Sie sich mit der Internetseite www.ref-500.ch befassen und Ideen für eigene Projekte auf Kirchgemeindebene sammeln. Und ganz wichtig: denken Sie bitte bei der Bestellung von Drucksachen und beim Internetauftritt Ihrer Kirchgemeinde an das Reformationslogo.
Ulrich Wilhelm