Als Olten Kirchengeschichte schrieb


Olten ist bekannt als Eisenbahnstadt. Dass die Aarestadt jedoch in Sachen Kirchen einiges bietet, haben rund vierzig Teilnehmenden an der Stadtführung von Stadtarchivar Peter Heim erlebt.

Rund vierzig Interessierte nahmen die Gelegenheit wahr, Olten aus religiöser Sicht kennenzulernen. Der Synodalrat der reformierten Kantonalkirche sowie der Kirchenbote hatten zur Stadtführung mit Peter Heim geladen. Der Stadtarchivar führte die Gruppe durch die Aarestadt, angefangen bei der Klosterkirche, dann zur Stadt- und St. Martins-Kirche und hinüber auf die andere Aareseite ins damalige Industriequartier, wo ehemals die Eisenbahnwerkstätten standen. «Hier wurde auch die erste reformierte Kirche in Olten errichtet», erklärte Peter  Heim. «Leider gibt es aus dieser Zeit keine Spuren mehr. Das ganze Areal wurde abgerissen.»

Für die Führung spielte das keine Rolle. Peter Heim gelang es in seinen Ausführungen, das historische Glaubensleben und die Kirchengeschichte von Olten wieder aufleben zu lassen. Im 19. Jahrhundert bildete die Aarestadt das Zentrum der Lo-Rom-Bewegung in der Schweiz. Die führende freisinnige Oberschicht in Olten und Umgebung sagte sich von Rom los. Die Römischkatholiken standen plötzlich ohne Kirche da und mussten ihre Messen in Privathäusern und provisorischen «Notkirchen» feiern. Die Stadtkirche in Olten wurde christkatholisch. Doch die Romtreuen liessen dies nicht auf sich beruhen und errichteten die St. Martinskirche, die mit ihren zwei mächtigen Spitztürmen über die Aarestadt ragt.
Im 19. Jahrhundert kamen auch die Protestanten im Zuge der raschen Industrialisierung nach Olten. Dank der Förderung durch den «Maschinenmeister» der Centralbahnwerkstätte, Niklaus Riggenbach, entwickelte sich die reformierte Kirchgemeinde schnell und ohne nennenswerten Widerstand von katholischer Seite.

Die Zeiten, in denen sich die christlichen Kirchen bekämpften sind heute endgültig vorbei: Dazu setzte auch die Stadtführung ein Zeichen: Die Führung, welche die reformierte Kantonalkirche organisiert hatte, klang mit einem köstlichen Apéro im Garten des Kapuzinerklosters aus. Wegen des grossen Interesse wird die Stadtführung ein weiteres Mal durchgeführt.