Evang.-Ref. Kirche
Kanton Solothurn
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Synodale auf der Schulbank

- Synodalrat Pfr. Ulrich Wilhelm diskutiert mit Synodalen
Der Einführungstag vom 13. März hat den neu gewählten Synodalen der reformierten Kirche Kanton Solothurn gezeigt, wie vielfältig ihre Kirche ist.
Olten «SEK, Kiko, SIKO oder KEK» - Wie das Militär spreche die Kirche gerne in
Abkürzungen, meinte Synodalrat Ulrich Wilhelm. Doch die meisten Reformierten wüssten nicht, was diese Kürzel bedeuten. Um da Unterstützung zu bieten, hat die Evangelisch-Reformierte Kirche Kanton Solothurn ihre neuen Synodalen und Behördemitglieder zu einem Einführungstag eingeladen. 48 Amtsträger kamen am Samstag in die Pauluskirche Olten, um ihre Kirche besser kennen zu lernen. In einer meditativen Feier wurden die neuen Synodalen von Synodalratspräsidentin Verena Enzler feierlich in ihr Amt eingesetzt.
Zwei reformierte Kirchen im Kanton Solothurn
Die Veranstaltung machte den Beteiligen rasch klar, wie vielfältig und breit ihre Kirche ist: Aufgrund der föderalistischen Geschichte und der Glaubensaufspaltungen bildet die reformierte Kirche keine Einheit, sondern ist ein weit verzweigtes Geflecht: Ein Unikum stellt schon die reformierte Kirche im Kanton dar, die in zwei unabhänige Kirchen geteilt ist: jene der Evangelisch-Reformierten Kirche Kanton Solothurn und jene der Bezirkssynose Solothurn,
die zur reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn gehört.
Verena Enzler stellte die Kirchenstruktur und die gemeinsamen Pfarrämter und Aufgaben der Kirchen im Kanton vor: Sei es die Fachstelle für Religionsunterricht, die Kinderheime, die Ökumenische Nothilfe oder die Spital- oder Gefängnisseelsorge. Enzler wies auf die Unterzeichnung der Charta Oekumenica hin, in der sich die christlichen Kirchen an Pfingsten in der Christkatholischen Kirche in Solothurn zur Zusammenarbeit verpflichten.
Die Informationsbeauftragte Susanne Rudin zeigte die reformierte Medienlandschaft, während die Synodalrätin Eveline Schäerli-Fluri auf die weltweite Solidarität hinwies, die durch die Hilfswerke Heks, mission21 und «Brot für alle» wahrgenommen wird. Damit die neuen Amtsträger wissen, mit wem sie es zu tun haben, stellte Synodalratssekretärin Vreny Otto in einem «Who is Who» die Kirchenprominenz vor.
Zwischen Basel und Konstanz
In seinem Vortag führte Ulrich Wilhelm zurück in die Kirchengeschichte des Kantons. Manch einem bestandenen Schweizer konnte der Schönenwerder Pfarrer, der ursprünglich aus Deutschland stammt, Neues vermitteln. Das Gebiet der heutigen Evangelisch-Reformierten Kirche Kanton Solothurn gehörte seit der Christianisierung bis in die Neuzeit entweder zum Bistum Basel oder Bistum Konstanz. Die Grenze bildete der Verlauf der Aare. Ein kleiner Teil des übrigen Kantons (der Leberberg links der Aare mit der Stadt Solothurn selbst bis zum Bach Siggern gehörte sogar zum Bistum Lausanne. Entsprechend verschieden verlief die Geschichte in den Regionen. Im Januar 1528 führten die Berner die Reformation ein. Die Solothurner Obrigkeit übte Toleranz und überliess den Dörfern der Landschaft die freie Glaubenswahl: Etliche traten zum neuen Glauben über. Olten und Schönenwerd blieben katholisch.
Die Schlacht bei Kappel am Albis, in der die Innerschweizer Katholiken das Heer des Reformators Zwingli besiegten, bedeutete eine Wende: Der Kanton wies alle reformierten Prediger aus. Lostorf, Stüsslingen und Erlinsbach widersetzten sich jahrzehntelang dieser Verordnung. «Übrigens», so Ulrich Wilhelm, «die Niederlage von Kappel geht möglicherweise auch aufs Konto der Solothurner, die mit den Bernern unterwegs waren, um den Zürchern zu Hilfe zu eilen, aber erst viel zu spät ankamen, nachdem die Schlacht schon verloren war.» Vielleicht hatten die Solothurner die Berner aufgehalten, mutmasste Wilhelm, «denn die Solothurner machten mit der Reislauferei gute Geschäfte mit Frankreich, während Zwingli das Söldnerwesen untersagt hatte.» Auffällig sei, dass die fünf Innerschweizer Orte den Solothurnern ihre Kriegsschuld von 800 Kronen erliessen.
Mehr und mehr Reformierte
Mit der Bundesverfassung erhielten die Christen 1848 freie Niederlassungsfreiheit. Durch die Industrialisierung und den Bau der Eisenbahn kamen mehr und mehr Reformierte ins Kantonsgebiet. Bei der Gründung der Kirchgemeinden wurden die Reformierten von den protestantisch-kirchlichen Hilfsvereinen mit Geldern und Pfarrstellen unterstützt, je nach Region von einem anderen: Basel half Olten und Balsthal, Bern unterstützte Solothurn; die Region Schönenwerd brauchte keine finanzielle Hilfe, schloss sich aber der Aargauer Synode an. Die verschiedenen Einflüsse sind bis heute zu spüren. 1911 wurde auf Initiative von Schönenwerd ein gemeinsamer Verband der reformierten Kirchen im Kanton gegründet.
Den vollständigen Text des Vortrags können Sie hier lesen: U.Wilhelm,Sonderfall Ref.Kirche im Kanton Solothurn
